eine kleine Philosophie
des Gartens
Unter Freiraumplanung bzw. -gestaltung soll hier die Gestaltung von Außenanlagen an gewerblichen oder öffentlichen Gebäuden, städtische Grünzonen oder Parks verstanden werden, also alles, was nicht bebaute Flächen im besiedelten Bereich sind im Gegensatz zu solchen in der Landschaft. Freiraumplanung bedeutet also im Grunde nichts anderes als Gartengestaltung im größeren Maßstab, zumindest aus der Sicht des Gärtners, bzw. Garten- und Landschaftsarchitekten.
Die Freiraumgestaltung steht also zwischen zwei Polen, mit denen sie
sich auseinandersetzen muss, und von denen sie mitunter auch vereinnahmt
wird, bzw. sich vereinnahmen lässt. Der eine ist der der
Landschaftsplanung, wo es viel weniger um gestalterische Maßnahmen geht,
sondern mehr um Ökologie, also um das, was man mit dem recht
schwammigen Oberbegriff 'Natur' bezeichnet. In der Landschaft sollte -
soweit das in unserer dicht besiedelten Welt möglich ist - die wilde
Natur zur Entfaltung gelangen. Leider ist das keineswegs anerkannter
Konsens - im Gegenteil: Gerade im Naturschutz gibt es Tendenzen, die
Landschaft wie einen großen Garten zu behandeln, den man hegen und
pflegen muss. Der konservierende Naturschutz hat dazu als Leitbild die
Erhaltung der Kulturlandschaft kreiert, was allerdings mit Naturschutz
im wörtlichen Sinne nicht viel zu tun hat. Das habe ich in einer groben Skizze
in der Schrift 'Naturerkenntnis - Selbsterkenntnis' auseinandergesetzt.
Der andere Pol, mit dem die Freiraumgestaltung in Kontakt kommt, ist die
Architektur. Der Hochbauarchitekt macht nicht gerne an der Außenwand
seines Gebäudes halt, sondern macht sich auch Gedanken darüber, wie
dieses Gebäude sich in die Umgebung einfügt. Dabei sollte aus seiner
Sicht die Umgebung möglichst zurückhaltend sein, damit das Gebäude auch
deutlich zur Geltung kommt. Kurz und knapp formuliert: Der Architekt
versucht, die Architektur nach außen auszudehnen. Das ist nur als
allgemeine Tendenz zu verstehen, von der der einzelne mehr oder weniger
abweicht.
Die Garten- und Freiraumgestaltung entlehnt sich Elemente von beiden
Polen, also einerseits aus der Natur, bzw. der Landschaft: Der See wird
im Garten zum Teich, der Fluss zum Wasserlauf, urtümliche Gebirge zu
Steingärten, Hügellandschaften zu Bodenmodellierungen. Auf der anderen
Seite kommen die Elemente aus der Architektur. Durch Mauern, Wege und
Treppen entstehen strukturierte Außenräume ähnlich wie die einzelnen
Zimmer in einem Gebäude. Aus der Stellung zwischen Architektur und Natur
könnte man den Schluss ziehen, die Freiraumplanung habe im Grunde
genommen kein eigenes Profil.
Ganz so einfach darf man es sich nicht machen. Gartengestaltung im
engeren und Freiraumgestaltung im weiteren Sinne haben einen eigenen
Standpunkt: Hier sucht der Mensch wieder die Verbindung zur Natur.
Während er als Hausbewohner in erster Linie Natur zerstört (wo ein Haus
steht, ist die Natur nicht erwünscht), und in der freien Landschaft eher
ein Störenfried ist, der die freie Entfaltung der Natur behindert,
sucht er im gestalteten, grünen Freiraum eine Synthese zu erreichen.
Natur - in erster Linie repräsentiert durch Pflanzen - in enger
Verbindung mit Aufenthalts-, Erholungs- und Erlebnisbereichen für den
Menschen.
Eine ausführlichere Auseinandersetzung zu diesem Thema finden Sie unter Philosophie/Garten-Leben erleben.