eine kleine Philosophie
des Gartens
Neben all den Erwartungen, die an einen Garten gestellt werden, steht heute meist an erster Stelle die Pflegeleichtigkeit. Wenn man dazu auch noch hohe Ansprüche an die pflanzliche Ausstattung stellt, insbesondere an die Blühaspekte während der gesamten Vegetationsperiode von Februar bis November, erinnert diese Erwartungshaltung an die Quadratur des Kreises.
Ein mit 20 Lebensjahren halbwegs erwachsener Mensch wird bis ins hohe Alter mehrere Autos finanziert und für alle diese Autos auch die entsprechenden Pflegeleistungen aufgewendet haben.
Oder für das Haus: Neben den Baukosten fallen regelmäßig Unterhaltskosten für Reinigung oder z.B. für Malerarbeiten an; die Einrichtung nutzt sich ab oder wird einfach unmodern und muss erneuert werden, auch die Technik (Wasserleitungen, Heizungsanlage) muss weitgehend auf dem neuesten Stand gehalten werden. Alle diese Dinge gibt man mehr oder weniger gerne, aber doch notgedrungen und ohne sich allzusehr darüber aufzuregen, aus.
Zugegeben: Gartenpflege ist in hohem Maße Handarbeit, und die wird heutzutage immer teuerer. Dazu kommt, dass für die Pflege anspruchsvoller Pflanzungen Fachpersonal notwendig ist. Den Rasen mähen kann jeder ungelernte Hilfsarbeiter, und mit einem entsprechenden Rasenmäher sind auch große Flächen innerhalb kurzer Zeit zu bewältigen. Wenn es aber darum geht, ein Staudenbeet zu pflegen, sieht die Sache schon anders aus: Allein schon Unkraut jäten ist nicht unbedingt eine einfache Arbeit.
Wer die Pflanzen nicht genau kennt, macht immer wieder Fehler. Auch wenn es in der Regel bei entsprechender Aufmerksamkeit gute Unterscheidungsmöglichkeiten für gepflanzte und eingewanderte Pflanzen gibt, hat Unkraut die seltsame Fähigkeit, sich zu tarnen, so dass es u.U. Jahre lang nicht bemerkt wird und schwächere Pflanzen verdrängt. Auch der andere Fall kommt immer wieder vor: während man behutsam alles entfernt, was sich im Staudenbeet heimlich einschleichen will, trampelt man auf den noch unscheinbaren Strauchpfingstrosen herum, die zu diesem Zeitpunkt noch recht unscheinbar aussehen (das schaffen sogar ausgebildete Gärtner).
Man kann nun als Konsequenz für sich die Schlussfolgerung ziehen, nur das im Garten zu verwenden, was jeder halbwegs normale Mensch noch pflegen kann. Wobei man an Männer noch etwas geringere Ansprüche stellen darf als an Frauen. Die bringen es an Pflegefertigkeit meist nur bis zum Rasenmäher schieben. Dass das keine Übertreibung ist, kann man an den Umsätzen der Gartenbranche ablesen: In den letzen Jahren haben automatische Bewässerungsanlagen, speziell für Rasenflächen, enorm zugelegt. Man sollte glauben, dass die Klimaproblematik zum sparsamen Umgang mit Wasser anhält - weit gefehlt. Die Argumentation geht eher ins Gegenteil: gerade weil das Klima wärmer wird, die Niederschläge weniger werden, das verfügbare Wasser also knapper, muss man Bewässerungsanlagen bauen, damit der Rasen auch in Trockenzeiten immer schön grün bleibt.
Ob das eine verantwortungsbewusste Einstellung ist, wage ich zu bezweifeln.
Vieles von dem, was heute als modern gilt, hat sich dem Diktat der Pflegeleichtigkeit gebeugt. Die Folge sind oftmals recht abstrakte Anlagen, die auf den ersten Blick auch tatsächlich einen starken Eindruck machen, dafür aber in relativ kurzer Zeit nur noch langweilig sind, wenn man sie täglich sieht und sich daran gewöhnt hat. Dieser Ansatz führt meiner Meinung nach mehr in Richtung Repräsentationsgrün mit dem Hang zur Sterilität, aber weniger zu einem dynamischen Erlebnisraum.
Dennoch gibt es Möglichkeiten, auch in intensiv gestaltete Anlagen den Pflegeaufwand zu reduzieren. Gerade in den letzten Jahren sind intensive Forschungen darüber angestellt worden, wie man v.a. großflächige Staudenpflanzungen mit möglichst geringem Aufwand erhalten kann, wobei es v.a. zwei Ansätze gibt: Der eine geht über den Boden: Man verwendet durchlässige, stark kieshaltige Substrate oder sogar reinen Kies, bzw. Schotter, auf denen die meisten Problemunkräuter des Gartens, wie Quecke, Giersch oder Brennessel, kaum eine Überlebenschance haben. Trotz dieser recht extremen Bodenverhältnissen gibt es eine große Anzahl an Blütenstauden, die sehr gut dort zurecht kommen, ohne dass man ständig mit dem Gartenschlauch hinterherlaufen muss. (s.a. unter Philosophie/Grüne Impressionen/Lebensanschauung )
Bei dem anderen Ansatz wird der Boden weitgehend so gelassen, wie er vorgefunden wird. Bei der Pflanzenauswahl setzt man auf sog.
C-Strategen, die konkurrenzkräftig sind, d.h. relativ stark wachsen. Um die Keimung von Unkraut zu reduzieren, werden die Pflanzflächen mit Riesel oder Splitt abgedeckt (Rindenmulch ist für Blütenstauden nicht geeignet).
Man kommt bei diesen Maßnahmen auf jährliche Pflegezeiten von z.T. unter 5 Minuten pro Quadratmeter, wobei sowohl sonnige Standorte als auch halbschattige bis hin zu vollschattigen Standorten unter einem Baumbestand möglich sind.