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Ökologie und Ästhektik

Ökologische Aspekte werden auch beim Bauen zunehmend wichtiger. Neben Energieminimierung durch passive Solararchitektur oder Energiegewinnung durch aktive Solarenergiesysteme wird die Niederschlagsproblematik mit jedem Jahrhunderthochwasser, was mitlerweile im Abstand von wenigen Jahren wiederkehrt, erschreckend aktuell. Viele Kommunen fördern mitlerweile Dachbegrünungen, Regenwassernutzungssysteme, versickerungsfähige Beläge oder Entsiegelungen, um einerseits die Abflußspitzen zu reduzieren, andererseits aber auch, um die Grundwasserneubildung zu gewährleisten. In manchen Gegenden ist Grundwasser, und damit die Trinkwasserressourcen, bereits jetzt schon knapp. Wer nicht die Augen verschließen will und die Probleme damit auf unsere Kinder abwälzt, der ist bereits heute zum Handeln gezwungen.


 

Gerade bei der Niederschlagsproblematik ist allerdings die Kluft zwischen altruistischem Handeln und Eigennutz besonders groß. Wenn ich bei mir zuhause Maßnahmen ergreife, um Niederschläge bei Wolkenbrüchen und Dauerregen zurückzuhalten, dann entstehen in der Regel Kosten, die u.U. Städte wie Köln, Trier, Passau, ...vor Hochwasserschäden bewahren, die mir aber direkt nichts bringen. Da die Kosten beim Bauen sowieso immer höher ausfallen als geplant, sind das Posten, die dem Sparzwang als erste zum Opfer fallen. Ist man aber gezwungen, Maßnahmen in dieser Richtung zu ergreifen, weil die örtlichen Bauvorschriften dazu anhalten, dann entstehen meist technische Bauwerke, wo mit geringstem Aufwand maximaler Nutzen erzielt wird. Wenn man bedenkt, daß diese Lösungen in unmittelbarer Nähe des Wohn- und Lebensbereiches der Betroffenen entstehen, dann muß man sich fragen, wieviel Häßlichkeit der Mensch bereit ist, zu ertragen, nur um ein bißchen Geld zu sparen, das er dann für Autos oder Urlaub ausgeben kann. (Diese Sicht mag vielleicht auch recht einseitig sein, aber man muß manchmal die Dinge etwas überzeichnen, um sie deutlich zu machen.) Man vergißt allzu oft darüber, daß Häßlichkeit oder Ästhetik in der äußeren Lebensumwelt nicht nur die Folgen menschlicher Gesinnung sind, sondern daß sie auch wiederum auf die Seele der Betroffenen zurückwirken. Ein angenehmes Lebensumfeld wirkt aufbauend, ein unangenehmes wirkt depressiv. Diese Wirkungen werden nunmehr bereits einige Jahre intensiv wissenschaftlich untersucht, v.a. im Bereich Krankenhäuser, Büros und Schulen.


 

Wenn ich also meine ganz persönliche Umwelt, die ja ein Teil der Schöpfung ist, und die ich lediglich eine zeitlang nutzen darf, mit Liebe einrichte, dann zeige ich damit meine Achtung vor dem Werk meines Schöpfers. Und somit ist eine anspruchsvolle Außenanlage dann keineswegs wertloser Luxus, sondern Ausdruck dafür, dass mir die Schöpfung nicht weniger wert ist als Haus, Urlaub, Bankkonto, Auto oder was einem sonst noch am Herzen liegen kann.
 
(siehe z.B. unter: „Symposium 'Plants for People' auf der Floriade 2002“ - www.plants-for-people.de  oder 'Projekt Bürobegrünung' der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim - www.stmlf.bayern.de/lwg/gartenbau/buero/buero.html).
 
Was dort gilt, das gilt in ähnlicher Weise für den Lebensraum, in dem man sich täglich aufhält.


 

Aus diesen Gründen wurde hier ein Weg beschritten, der vielleicht als Vorbild für einen Ansatz stehen kann, wo Gemeinwohl und Eigennutz eine Synthese bilden. Die notwendigen ökologischen Maßnahmen werden hier ästhetisch gestaltet und besitzen einen hohen Nutzwert für Bewohner und Mitarbeiter. Dadurch wird das, was eigentlich eine rein ökologische Maßnahme ist und der Natur im weitesten Sinne zugute kommen soll, Freizeit- und Erholungsobjekt und erfüllt damit einen durchaus egoistischen Nutzen, für den man sogar gerne etwas mehr ausgibt, als unbedingt notwendig ist.
 
Das Regenwasser der Halle und des Wohnhauses wird oberirdisch in einen Wasserlauf eingeleitet, der in einen Teich mündet. Die Vorreinigung des Regenwassers erfolgt über einen Sumpfpflanzenbereich, der Schwebstoffe ausfiltert. Die Oberflächenentwässerung ist ebenfalls zu den Wasserflächen hin orientiert. Überschüssiges Wasser wird in einer Zisterne gesammelt und in einem Kreislauf dem System wieder zugeführt. Die Wassermenge, die nicht im System gepuffert werden kann, fließt über den öffentlichen Wassergraben in ein Regenrückhaltebecken. Je nach Auslegung der Zisterne kann der größte Teil des Regenwassers aufgefangen werden und verdunstet über die Vegetation und durch die ständige Wasserbewegung.
 
Der Teich ist als einfaches Schwimmteichsystem ausgebildet. Das war ohne großen Mehraufwand möglich, da auf eine Abgrenzung des Schwimmbereiches durch Wände sowie auf eine Absaugung über einen Skimmer verzichtet wurde. Durch die relativ große flache Wasserzone im Bereich des Wasserlaufes erwärmt sich das Wasser bei hohen Außentemperaturen sehr schnell, wodurch eine angenehme Badetemperatur entsteht.
 
Weitere Fotos finden Sie unter Freiraumplanung/gewerbliche Außenanlagen/CUR-Systemtechnik


 

 

 

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