Naturbadeteiche
Die Zeiten sind vorbei, in denen Naturteiche mit übel riechenden Pfützen
gleichgesetzt wurden, die Frösche, Kröten und Stechmücken
anziehen und damit nur etwas für ganz harte Ökofreaks sind. Mitlerweile
sind die Kenntnisse in der Teichbiologie und der erforderlichen Technik
so weit ausgereift, daß die Kinderkrankheiten der Vergangenheit angehören
– sofern das Ziel von vornherein nicht ein billiger, sondern ein fachgerecht
anspruchsvoller Teich war.
Aus der Kombination von Naturteich und Swimming-Pool ist dann vor etlichen
Jahren der Badeteich hervorgegangen. Man nutzt hier ganz bewußt die
biologische Selbstreinigungskraft von natürlichen Systemen, um ohne
Chemikalien hygienisch einwandfreies Wasser zu erhalten. In erster Linie
waren es Privatpersonen, die im Rahmen einer Gartenanlage auch an einen
Schwimmteich dachten. Wer schon einmal erlebt hat, wie weich Wasser in
einem Schwimmteich sein kann, wie der Blick aus der Froschperspektive den
eigenen Standpunkt verändert, dem wird die Entscheidung für oder
gegen einen Badeteich leicht fallen. Wie bei so vielen anderen Situationen
ist es müßig, über diese Vorzüge zu reden oder zu
schreiben, weil diese Art der Information nie die eigene Erfahrung und
das eigene Erlebnis ersetzen kann.
Mitlerweile sind auch kommunale Anlagen entstanden, die sich bewährt
haben. Viele Gründe sprechen für Badeteiche, statt für konventionelle
Schwimmbäder: Neben dem höheren Erlebniswert sind es v.a. die
i.d.R. geringeren Bau- und Wartungskosten, die hier zu Buche schlagen.
Gerade bei der Sanierung von in die Jahre gekommenen Schwimmbädern
hat man gute Erfahrungen gemacht. Um den Planern, als auch den Betreibern
die bislang fehlende Rechtssicherheit zu gewähren, sind von der Forschungsgesellschaft
Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (FLL) allgemeine Regeln erarbeitet
worden, die im Herbst letzten Jahres veröffentlicht wurden. Darin
enthalten sind auch die Empfehlungen des Umweltbundesamtes für Badeteiche.
Die FLL-Regelwerke gelten als anerkannte Regeln der Technik und müssen
bei VOB-Verträgen beachtet werden. Zwei sehr interessante Erfahrungsberichte
aus Sicht der Kommunen, bzw. der Planer, sind in dem Tagungsband der FLL
über Schwimm- und Badeteiche vom Oktober 2003 nachzulesen.
Bei den Vorzügen der Naturbadeteiche wird immer wieder der Kostenfaktor
hervorgehoben: Naturbadeteiche sind i. d. R. sowohl bei den Herstellungs-,
als auch den Unterhaltungskosten, günstiger als technische Anlagen
mit chemischer Wasseraufbereitung. Diese Betonung der finanziellen Seite
erscheint mir sehr fragwürdig. Allzu leicht assoziiert man damit eine
Vorstellung, die für unsere Geld-orientierte Zeit charakteristisch
ist: "Teuer ist gut, billig ist minderwertig:" Diese Vorstellung mag zutreffen,
wenn man Dinge vergleicht, die in einer Entwicklungsrichtung liegen: Ein
Haus mit aktuellen Wohnstandards ist zweifellos mehr wert als eine Blechbaracke.
Bei der Schwimmbadthematik werden aber zwei vom Ansatz her völlig
unterschiedliche Systeme miteinander verglichen. In diesem Falle kann man
den Wert, den sie für die Benutzer oder die Betreiber haben, nicht
durch den finanziellen Aufwand beschreiben. Das billigere System kann hier
durchaus das wertvollere sein, das teure demgegenüber das minderwertigere.
Mit dem technischen System wird sofort ein akkurates Erscheinungsbild,
Sauberkeit, Perfektion – Sterilität verbunden. Dort hat man alles
im Griff. Wenn eine Schraube locker ist, braucht man sie nur wieder festdrehen
– jedes Problem läßt sich exakt lokalisieren und beheben. Die
natürlichen Systeme dagegen, bzw. die auf natürlichen Vorbildern
beruhenden Systeme, lassen sich nicht in der gleichen Weise betrachten.
Wenn eine Pflanze an einer Stelle nicht richtig gedeihen will, kann man
eben nicht in jedem Fall analog der technischen Denkweise die Ursachen
dafür suchen und beseitigen. Die Pflanze ist gebunden an den Boden
und die Atmosphäre, worauf man nur bedingt Einfluß hat. Es ist
nicht möglich, den Boden, bzw. die Atmosphäre nur für diese
einzige Pflanze zu verändern, rsp. zu verbessern. In natürlichen
Systemen ist alles viel enger miteinander verknüpft als in technischen
Systemen, die isoliert von der Umwelt arbeiten. Man denke nur an die mittlerweile
wohl überwundenen Schwefelemissionen von Kraftwerken in die Atmosphäre:
Der saure Regen läßt Böden versauern und Bäume sterben;
beide Wirkungen haben Einfluß auf die Grundwasserneubildung, da die
Aufnahmefähigkeit des Bodens für Niederschläge sowohl vom
Bewuchs, als auch von der Bodenstruktur abhängt. Die Folge ist ein
verstärkter Oberflächenabfluss des Regenwassers verbunden mit
der Gefahr von Überschwemmungen, sowie Trinkwasserknappheit aus Grundwasserreserven,
was wiederum einen erhöhten technischen Aufwand für die Trinkwassergewinnung
zur Folge hat. (Selbstverständlich ist der Einfluß der Schwefelemission
auf die Grundwasserreserven geringer als der durch großflächige
Versiegelung durch Verkehrsflächen und Bebauung, dafür aber schleichender
und irreversibel.)
Technische Systeme können von der Umwelt isoliert werden. Das
bedingt die große Gefahr, daß man die Zusammenhänge der
eigenen Handlungsweise mit den Auswirkungen auf andere ignorieren kann.
Um beim Beispiel vom sauren Regen zu bleiben: Wenn ich mich nur auf die
Verfügbarkeit meines Trinkwassers konzentriere, dann kann mich die
ganze Problematik der Schwefelemission kalt lassen, solange ich technische
Mittel finde, mein Trinkwasser zu sichern. Die Stadt Stuttgart z.B. bezieht
einen Großteil ihres Trinkwassers über Pipelines aus dem Bodensee.
Hier wird also höchstens darauf geachtet, daß andere, z.B. die
Anrainer des Bodensees oder des Einzugsgebietes, ihrer Verantwortung gerecht
werden. Für das eigene Tun und Handeln ist man, zumindest in diesem
speziellen Fall, aus dem Schneider. In München dagegen, das einen
Teil des Trinkwassers aus dem Mangfalltal bezieht, hat man sich dazu entschlossen,
durch naturgemäße Waldwirtschaft in diesem Gebiet die Qualität
des Trinkwassers auch langfristig zu sichern. Die beiden Beispiele beziehen
sich natürlich nur auf die Trinkwasserproblematik und sagen nichts
über die allgemeine Denk- und Wirtschaftsweise der beiden Städte
aus.
Ohne in diesem Rahmen näher darauf eingehen zu können, wage
ich zu behaupten, daß eine Denk- und Handlungsweise, die sich der
komplexen Beziehungen in natürlichen Systemen bewußt ist, und
versucht, sich an diesen Systemen zu orientieren, die persönliche
Verantwortung fördert, weil sie sich über die möglichen
Auswirkungen auch kleiner Ursachen auf das gesamte System bewußt
ist. Diese Gedankengänge sind immer wieder in den "Grünen Impressionen"
angesprochen worden.
Auch die Verfechter der Technik haben ein großes Manko ihres
Systems erkannt: Sauberes Wasser in einer sterilen Atmosphäre genügt
den Anforderungen der Zeit immer weniger. - Je mehr in den letzten Jahrzehnten
und Jahrhunderten die Natur als vermeintlich fehlerbehaftetes und unfertiges
Gebilde ignoriert wurde, weil sich die Technik über diese "unvollkommenen"
Systeme erhaben dünkte, umso mehr wächst heute bei den einzelnen
Menschen das Bedürfnis nach eben dieser verlorengegangenen Natur.
Mit aus diesem Grunde versucht man in modernen Erlebnisbädern durch
Umkleidung mit einem natürlichen Ambiente einen Ausgleich. Doch schon
die Bezeichnung "Ausgleich" ist eine unzulässige Beschönigung
der tatsächlichen Situation. In Wirklichkeit behält die Technik
nach wie vor das uneingeschränkte Regiment, die Rolle der Natur ist
lediglich die der grünen Kosmetik. Vielleicht liegt darin der wichtigste
Unterschied zwischen technischen und natürlichen Systemen: In der
konventionellen Anlage ist die Technik streng von der Einbindung in die
Umgebung, die durchaus natürlich wirken soll, getrennt. Es findet
eben kein Ausgleich statt, sondern lediglich ein Nebeneinander von zwei
verschiedenen Ideologien, die sich aber nicht gegenseitig beeinflussen
oder gar fördern. Beim Naturbadeteich dagegen ergänzen sich Technik
und "Natur" auf ideale Weise. Auch hier funktioniert ohne Technik nichts.
Das Wasser muß umgewälzt werden, damit die biologische Reinigung
optimal ablaufen kann. Fremdstoffe wie Blütenstaub, Blätter,
usw. müssen herausgefiltert oder abgesaugt werden; der gesamte Wasserkörper
sollte möglichst gleichmäßig durchströmt werden, damit
nirgends ein Sauerstoffdefizit entsteht. Hier führt der Einsatz der
Technik zu einer Leistungssteigerung der natürlichen Reinigungskräfte;
statt bloßem Nebeneinander findet hier eine Synthese statt.
Als gelungenes Beispiel einer solchen Anlage, allerdings im kleinen
Stil von einem privaten Auftraggeber, sei hier noch einmal die Anlage in
Wadgassen gezeigt, die in der ersten Ausgabe der "Grünen Impressionen"
bereits ausführlich beschrieben worden ist. Nachzulesen unter Gedanken/Grüne
Impressionen/Ökologie und Ästhetik oder Freiraumplanung/gewerbliche Aussenanlagen/CUR-Systemtechnik.
Für weitere Informationen sei die erwähnte Veröffentlichung
der FLL, zu beziehen unter www.fll.de, oder die Informationen der Deutschen
Gesellschaft für naturnahe Badegewässer e.V., unter www.dgfnb.de,
bzw. die Ausführungen zum Thema Schwimmteiche auf diesen Seiten unter Gartengestaltung/Schwimmteiche und Pools
empfohlen.
Quellen:
- Tagungsband Schwimm- und Badeteiche: Bewährter Einsatz oder
Innovation mit Risiko, FLL 2003 (www.fll.de)
- Empfehlungen für Planung, Bau, Instandhaltung und Betrieb von
öffentlichen Schwimm- und Badeteichanlagen, FLL 2003
- Broschüre "Schwimmteiche – Gönnen Sie sich mehr als einen
Garten" von der Deutschen Gesellschaft für naturnahe Badegewässer
e.V. und dem Bundesverband Garten-, Land-schafts- und Sportplatzbau, 2004