Über Naturschutz
Man wird leicht als Spinner verschrieen, wenn man Leben als eine Qualität betrachtet, die nicht aus der zufälligen chemischen Reaktion einiger Kohlenstoffverbindungen entstanden ist, sondern in dem Leben als ursprüngliche Kraft die Ursache sieht, die den Kohlenstoff in die organischen verbindungen zwingt.
Die heute wohl meistverbreitete Meinung zu dieser Frage geht von dem
darwinistischen Ansatz aus, daß das heutige Artenpotential eine Folge
von Mutation und Selektion ist, daß das Leben an sich wohl in erster
Linie einem dummen Zufall zu verdanken ist.
Wenn man so denkt, dann ist es im Grunde egal, was man aus der Natur
macht, solange wir in der dann entstandenen Situation physisch und psychisch
überleben können. Immerhin ist die Psyche noch ein schwacher
und nicht ganz vorhersehbarer Faktor, aber darin sieht die Wissenschaft
kein Problem, das nicht in den Griff zu bekommen ist. Letzten Endes werden
die Naturschutzbestrebungen in diesem Sinne am liebsten mit der Erhaltung
des Genpotentials begründet, weil man ja heute nicht wissen kann,
welcher Nutzen uns durch eine ausgestorbene Art möglicherweise
entgangen ist. Die Betonung liegt - man merke auf - auf Nutzen, und zwar
auf Nutzen für den Menschen.
Damit will ich ganz bestimmt nicht die Stufenfolge der Evolution in Frage
stellen. Aber es macht einen gravierenden Unterschied, ob man die Entwicklung
des Lebens auf der Erde ohne Anerkennung einer schöpferischen, lenkenden
Macht betrachtet, oder mit einer solchen. Im ersten Fall geht man davon
aus, daß die Materie aufgrund ihrer Organisationsstruktur Leben erzeugt.
Im Verfolgen einer solchen Denkweise gibt es keinen Sinn, dem man nachspüren
könnte, sondern nur abgrundtiefe Leere im Kampf ums Dasein. Im zweiten
Fall organisiert das Leben/der Geist die Materie und schafft sich damit
einen Körper als äußeres Zeichen seiner Existenz.
Es gibt nun Hinweise aus verschiedenen Untersuchungen, die sich auf
das Phänomen Leben beziehen, die zwar nicht die materialistische Anschauung
definitiv widerlegen, die aber zumindest nachdenklich stimmen können,
wenn man sie unvoreingenommen betrachtet. Wer mit lebenden Systemen zu
tun hat, sollte sich vielleicht ab und zu dazu aufraffen, über den
Tellerrand zu schauen. Obwohl sich die daraus gewonnenen Erkenntnisse nicht
unmittelbar auf die äußere Natur beziehen, sind sie doch wichtig,
um die Grundlagen zu verstehen. Auf zwei dieser Untersuchungen soll daher
hier kurz eingegangen werden.
Von E. Pfeiffer wurde eine Methode entwickelt, mit der man auf die
Vitalität von organischen Substandzen schließen kann. Dabei
läßt man eine Kupferchloridlöung auf Glasschalen auskristallisieren.
Die Kristallbilder, die entstehen, sind in ihrer Struktur alle gleich:
Von einem Mittelpunkt ausgehend, bilden sich Kristallnadeln, die radial
zum äußeren Rand der Petrischalen verlaufen. Wenn man nun der
Kupferchloridlösung organische Substanzen wie Pflanzensäfte zufügt,
ändert sich die Struktur der Kristallbilder immer in gleicher Weise.
Sobald man es mit lebenden Substanzen zu tun hat, schieben sich, wie es
scheint, zwei Kräftepole von außen in das Kristallisationsbild,
die aus dem ursprünglich radial orientierten Kristallbild ein achsensymmetrisches,
zweiteiliges Muster machen. Ein wesentlicher Aspekt dabei ist, daß
dieser Effekt nur solange zu beobachten ist, wie - salopp ausgedrückt
- Leben in diesen Zusätzen enthalten ist. Je älter beispielsweise
ein Pflanzensaft ist, desto mehr nähern sich die beiden Kristallisationszentren
einander wieder an, bis (nach einigen Tagen) nur noch das typische zentrische
Kristallbild entsteht. Die Substanz hat sich in dieser Zeit nach gängiger
wissenschaftlicher Auffassung nicht grundlegend geändert. Lediglich
das Leben ist nach und nach aus der pflanzlichen Essenz gewichen.
Eine andere ist die Kirlian- oder Hochfreqenzfotografie, mit der man
die sogenannte Aura von lebenden Substanzen oder Wesen sichtbar machen
kann. Möglicherweise ist das, was man dort zu sehen bekommt, der sogenannte
Äther- oder Lebensleib, wie ihn Rudolf Steiner bezeichnet. Besonders
interessant dabei ist, daß in der Fotografie unvollständige
Objekte vollständig abgebildet werden. Beispielsweise erscheint das
Blatt einer Pflanze, von dem man einen Teil abgeschnitten hat, in der Fotografie
unversehrt.
Ich möchte zum Thema Naturschutz eigene Bemerkungen hinzufügen. Dabei
bin ich mir bewußt, daß ich mit meiner Meinung ziemlich allein
stehe. Andererseits bin ich sicher, daß viele Menschen auch heute
noch mit mir der Meinung sind, daß unsere Welt nicht zufällig
entstanden ist, und daß auch die Evolution, wie wir sie durchaus
richtig in wissenschaftlichen Untersuchungen nachvollziehen, ein schöpferischer
Akt ist, dem ein Wille und ein Ziel zugrunde liegt. Zwar sind religiöse
und wissenschaftliche Anschauungsweie strikt voneinander getrennt worden,
und das auch mit Recht. Mitlerweile sind wir aber an einem Punkt angelangt,
wo es nicht mehr egal ist, ob man den schöpferischen Geist aus der
Welt verbannt und ihn höchstens für das menschliche Seelenheil
gelten läßt, für das jeder selbst verantwortlich ist.
Der Glaube an ein höheres Sein muß von jedem Menschen individuell
entdeckt werden. Für begnadete Naturen ist auch ein Wissen darüber
in allen Zeiten möglich gewesen und ist es auch heute noch.
Für den Naturschutz und für benachbarte Disziplinen, z.B.
die Landschaftsplanung, ist es wichtig, welche Antwort man auf die Frage
nach dem Wesen der Natur hat. Wenn nämlich mehr hinter der Evolution
steckt als der Erfolg des Stärkeren mit der besseren Überlebensstrategie,
dann müssen wir uns nach dem Sinn umsehen, der hinter dem Leben steht.
Und erst aus der Beschäftigung mit dem Sinn dürfen wir Ziele
entwickeln, die uns auf den rechten Umgang mit der Natur verweisen. Solange
wir aber den Sinn auch nicht annäherungsweise kennen, dürfte
es in vielen Fällen besser sein, der Natur einen eigenen Freiraum
zuzugestehen, in dem sie sich selbst entwickeln kann. Die Jahrmillionen,
in denen es noch keine Menschen auf der Erde gab, dürften Zeugen genug
sein, daß die Natur das auch kann. Deshalb halte ich recht wenig
von Pflegekonzepten, die fest umrissene Ziele verfolgen, sondern mehr von
Sukzessionsflächen, wo eine natürliche Entwicklung möglich
ist.
Im übrigen deutet vieles darauf hin, daß die Natur eines
ganz bestimmt nicht im Sinn hat, nämlich Zustände zu schaffen.
Zustände schaffen oder erhalten will nur der Mensch, der z.B. das
Ideal eines Magerrasens vor Augen hat und mit vielen Pflegetricks versucht,
diesen zu "optimieren". In der Natur dagegen ist alles im Fließen,
alles ist in fortwährender Entwicklung. Es gibt keine starre Ewigkeit,
die einen optimalen Zustand kennt, anstrebt oder erhält. Es gibt aber
eine andere Ewigkeit, die wir in der Regel nur nicht wahrnehmen, weil sie
nicht starr ist, sondern sich in ihren Erscheinungen immerfort verändert.
Das ist die Ewigkeit des Lebens, der rote Faden, der durch Werden und Vergehen
verläuft, der aus dem Sterbenden immer wieder neues Leben gebiert.
Die Ewigkeit des Lebens ist stärker als alles andere. Wenn man die
Natur unvoreingenommen betrachtet, dann hat das Vergehen, das Sterben,
keine Spur von Realität. Das Leben ist das einzig Reale in der Natur.
Das sollte auch der Ansatz im Naturschutz sein. Nicht in der Schaffung
von fertigen Systemen zeigt sich wirkliches Naturverständnis, sondern
in der Bereitstellung von Entwicklungsmöglichkeiten.
Die Erhaltung von Biotopen als Grundlage für den Artenschutz ist in
unserer Zeit zweifellos wichtig, weil immer noch weltweit jeden Tag Tier-
und Pflanzenarten unwiederbringlich ausgerottet werden. Wenn man sich aber
nur auf den Schutz beschränkt, ohne Visionen für einen neuen
Anfang zu haben, dann tut man der Natur keinen Gefallen. Wenn man dabei stehen bleibt und nur noch Relikte schützt, ohne der Natur Raum für die eigene Entfaltung und Weiterentwicklung zu
geben, dann liefert man nur noch permanente Rückzugsgefechte. Die Geschichte
lehrt, daß auf der Flucht kaum Kämpfe gewonnen werden.