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Gartenplanung - Gestaltung

Es ist nicht einfach, einen knappen Überblick über grundsätzliche Überlegungen bei der Anlage eines Gartens zu geben. Wesentlich einfacher ist es, die Fehler anzusprechen. Und da werden immer wieder die gleichen Fehler gemacht, obwohl es an einer ausführlichen Literatur doch nicht mangelt.


 

wie man es nicht machen sollte...

Am gravierendsten macht es sich oft bemerkbar, wenn die Reihenfolge der einzelnen Überlegungen durcheinander kommt. Viele denken beim Garten in erster Linie an die Pflanzen, v.a. an eine schöne und andauernde Blüte. Man übersieht dabei, dass die Umgebung der Pflanze, bzw. der Blüte, einen entscheidenden Einfluss auf die Wirkung hat. Ein Lilie in einer bunten Wiese ist dort nur eine unter vielen Blumen, ihre Wirkung entsprechend minimal im Verhältnis zu dem großen Teppich anderer Formen und Farben. Herausgelöst aus dieser Umgebung, in einer edlen Vase mit dezentem Beiwerk grüner Blätter entfaltet sie dagegen erst ihre volle Schönheit. –
 
Für die Pflanzen im Garten gelten ähnliche Regeln. Ein kleines Beet mitten im Rasen mit den Lieblingspflanzen hat lange nicht die gleiche Wirkung wie die gleichen Pflanzen direkt an der Terrasse, u.U. noch verstärkt durch eine Einfassung oder eine kleine Mauer. Die Blütenwolke eines niedrigen Schleierkrautes ist zwar auch schön inmitten anderer Blütenstauden, viel imposanter ist die Erscheinung aber, wenn sie zwischen ein paar großen Steinen hervorquillt. Es gibt Pflanzen, die einzeln am besten zur Geltung kommen, und andere, die erst in größeren Gruppen ihre volle Wirkung entfalten. Die Kunst der Pflanzenverwendung liegt oft eher im Weglassen als in der übergroßen Vielfalt. Doch auch wenn man dies alles beachtet, ist das erst der letzte Schritt in einer ganzen Reihe von Überlegungen.

besser professionell

Um beim Beispiel der Lilie zu bleiben: Die Form der Vase, ihr Platz auf dem Tisch oder auf einem Schrank, die Art der Beleuchtung haben ebenfalls einen großen Einfluss auf die Wirkung. Alle diese Eigenschaften der Umgebung haben auch im Garten ihre Entsprechung. Ob das Gelände flach oder modelliert ist, ob die Terrasse auf der gleichen Ebene wie das Wohnzimmer liegt, ob man die schönsten Plätze des Gartens auch vom Haus aus sehen kann, ob die Terrasse am Haus festklebt oder schon inmitten üppiger Bepflanzung liegt, im Schatten oder in der Sonne – alle diese Entscheidungen und noch viele mehr müssen fallen, bevor man überhaupt an irgendeine Pflanze zu denken braucht.
 
Die richtige Vorgehensweise bei der Gartengestaltung ist also eine andere. Im Idealfall beginnen die ersten Planungsschritte bereits in Verbindung mit der Planung des Hauses. Nur zu diesem frühen Zeitpunkt hat man Einfluss auf die Übergänge und Anschlüsse zwischen Haus und Gelände. Es macht beispielsweise eine erheblichen Unterschied, ob man auf einem Niveau vom Haus aus in den Garten gehen kann oder ob man erst eine oder mehrere Stufen überwinden muss. Die Anschlusshöhe des Geländes wird aber i.d.R. durch den Putz bestimmt und kann nachträglich nur mit erheblichem Aufwand wieder verändert werden. Oder die Dachausbildung: Ein breiter Dachüberstand hat einen sterilen Todesstreifen rund ums Haus zur Folge. Wo kein Tropfen Regen hinfällt, wächst auch nichts mehr. Was für das Mauerwerk wünschenswert ist, schließt Pflanzenwachstum aus. Der Garten rückt dadurch vom Haus weg, der Bewohner begnügt sich mit der Rolle eines Beobachters, statt der eines Erlebenden. Bei den heutigen technischen Möglichkeiten ist es ohne weiteres möglich, die Bepflanzung direkt am Haus anzusetzen. Ein weiterer Fehler, der immer wieder gemacht wird, betrifft die Terrasse. Viele lassen die Terrasse gleich von der Baufirma betonieren – das ist bequem und außerdem hat man schon einmal einen sauberen Platz zum Sitzen, auch wenn der Garten noch nicht fertig ist. Für den Garten ist das eher ein Desaster. Eine Gestaltung mit freien, lebendigen Formen ist dann nur noch schwer möglich. Auch die Auswahl an Belägen ist i.d.R. begrenzt. Die verbleibende Dicke lässt meist nur noch Fliessen als Bodenbelag zu. Was für das Hausinnere angenehm und nützlich ist, muss nicht auch in der gleichen Weise im Garten zutreffend sein. Die glatte Oberfläche der Fliessen lässt sich zwar leicht reinigen und ist daher auf den ersten Blick ein Vorteil. Im Vergleich mit anderen, rauhen Oberflächen, beispielsweise gebrochenem Natursteinpflaster, relativiert sich der scheinbare Vorteil wieder: Auf der glatten Fläche der Fliessen ist jede Schliere deutlich sichtbar. Daher muss diese Fläche gereinigt werden, und zwar viel öfter und intensiver als die rauhe Natursteinfläche.

Ordnung schaffen

Der nächste Schritt bei der Gartenplanung besteht dann in der Ordnung und Strukturierung des Raumes. Gestaltung bedeutet: Räume schaffen bzw. erlebbar machen. Die harten Strukturen, die durch Wege und Plätze, Einfassungen und Mauern dem Gartenraum einen ersten und bleibenden Stempel aufdrücken, sind in hohem Maße entscheidend für den Gesamteindruck. Geometrische Linien und Formen wirken steif, sind aber dafür ein deutlicher Kontrast zu den differenzierten, weichen Formen der Vegetation. Das hört sich einfach an, ist aber lange nicht so einfach zu realisieren. Viele Anlagen, die das Wort "Kontrast" im Munde führen, sind einfach nur langweilig. Geschwungene, weiche Formen dagegen betonen mehr die Einheit von äußerer Form und innerem Leben. Das Leben, das sich in den Pflanzen manifestiert, wird quasi in der Struktur des Raumes schon vorweggenommen. Die Gefahr besteht hier in einer Übertreibung der Biegung und Schwingung. Wo zuviel des Guten getan wird, entsteht Unruhe. In der Spätzeit der Epoche des Landschaftsgartens wurden auf dermaßen gekünstelte Art angelegte Wege spöttisch als "Brezelwege" bezeichnet.
 
In dieser Planungsphase werden die Pflanzen nur ganz grob in Bäume oder Solitärsträucher, Gruppenpflanzungen oder Staudenbeete eingeteilt, eben nur in der Form, in der sie ihren Anteil an der Flächen- und Raumstrukturierung haben. Eine geschlossene Strauchpflanzung an der Grundstücksgrenze sorgt für den räumlichen und optischen Abschluss der Privatsphäre und für Sichtschutz von außen. Ein paar Bäume als Abschluss eines Grundstückes am Ortsrand bieten ebenfalls einen Schutz vor neugierigen Blicken aus angemessener Entfernung. Sie sind aber, wenn die Krone entsprechend hoch genug ansetzt, für den Blick nach außen kein gravierendes Hindernis und erweitern somit den Gartenraum hin zur Landschaft, in günstigen Fällen sogar bis zum Horizont. Bäume und Solitärsträucher prägen die inneren vertikalen Strukturen und Blickbeziehungen mit und sind mit viel Bedacht einzusetzen. Die Stauden schließlich füllen den Raum und sorgen für lebendige Dynamik. Es ist leicht einzusehen, dass in diesem Stadium noch keine Entscheidung für eine bestimmte Pflanzenart oder Sorte getroffen werden muss, sondern lediglich ganz allgemein für ihre Aufgabe, was die Auswahl zwar einschränkt, aber noch lange nicht festlegt.

Pflanzenauswahl

Erst im letzten Schritt erfolgt die Entscheidung, welche Aufgabe von welcher Pflanze übernommen werden soll. Da haben dann individuelle Vorlieben ihre Berechtigung, soweit sie in den Gesamteindruck integriert werden können. Denn auch hier gilt: Das Gesamtbild ist wichtiger als die Aneinanderreihung von einigen schönen Einzelexemplaren, die man irgendwo gesehen oder geschenkt bekommen hat. Das Ziel ist ein harmonisches Zusammenspiel von sich ergänzenden oder gegeneinander konkurrierenden Farben und Formen, in dem das Ganze mehr ist als die Summe der einzelnen Teile.
 
Gartengestaltung bedeutet also nicht die bloße Anordnung von einzelnen Pflanzen, sondern die Realisierung einer Idee, ähnlich wie ein Maler die Stimmung eines Augenblickes festhält. Nur dass das Bild, das der Gärtner malt, ein eigenes Leben hat. Wobei es auch hier wieder eine ganze Reihe von Abstufungen gibt, wie stark dieses Leben in Erscheinung treten darf.

keine Angst vor übereifrigen Planern!

Wen diese Überlegungen abschrecken, weil er glaubt, mit einer Gartenplanung ein Kunstwerk zu erhalten, das er nicht mehr betreten darf und auch sonst wie ein rohes Ei behandeln muss, der sei beruhigt: Alle diese Punkte sollte man zwar immer im Hinterkopf haben, inwieweit aber jeder berücksichtigt werden muss, bestimmt immer die jeweilige Situation und die Wünsche und Bedürfnisse des Auftraggebers. Sicher ist aber auch: Wer das alles nicht beachtet, weil er sich noch nicht sicher ist und sich deshalb alle Optionen offen halten will, der muss auch Geld ausgeben, weil auch das notwendigste nicht zum Nulltarif zu haben ist. Das ist schlecht investiertes Kapital. Lieber etwas mehr ausgeben, um zusammen mit einem Fachmann herauszufinden, wo Schwerpunkte gesetzt werden müssen und wo gespart werden kann. Das sollte dann darauf hinauslaufen, dass die notwendigen Dinge unter Berücksichtigung der gestalterischen Prämissen ausgeführt werden. Nur dann wird nicht lediglich eine Funktion erfüllt, sondern man hat dann auch Freude daran. Wobei das Spektrum der Lösungen von ganz einfachen bis hin zu sehr aufwendigen reicht.
 
Die beiden Beispiele vermitteln einen groben Eindruck, was hier gemeint ist. Zu sehen ist jeweils die erste Gestaltung, die jedoch nach kurzer Zeit (im ersten Beispiel bereits nach einem halben Jahr) wieder abgerissen, bzw. verändert wurde, weil die sich Besitzer mit der Inhaltslosigkeit des Gartens nicht zufrieden geben wollten.

 

 

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