eigentlich nichts besonderes
Ein neues Haus mit einem neuen Garten. Fertigstellung Haus und Garten: Herbst 2003. Das erste Foto zeigt den Zustand unmittelbar nach der Fertigstellung. (Vielleicht nicht übermäßig deutlich; ich habe mal wieder vergessen, eigene Fotos zu machen.)
Die Besitzer fühlten sich von Anfang an nicht wohl mit ihrem Garten und haben daher nach einer Möglichkeit gesucht, die Situation zu verbessern. Der Garten wurde daher im Frühjahr darauf umgestaltet. Der jetzige Zustand ist auf den übrigen Fotos zu sehen.
Dieses Beispiel zeigt besonders drastisch, was man alles falsch machen kann, wenn man die Situation nicht genügend berücksichtigt. Schuld daran hat nicht unbedingt der Landschaftsgärtner, der für die erste Gartengestaltung beauftragt wurde. Die Ausbildung zum Landschaftsgärtner zielt ja nicht in erster Linie auf Gestaltungskenntnisse, sondern auf die Vermittlung der technischen Fertigkeiten.
Doch der Reihe nach.
schlechte Voraussetzungen
Das Problem dieses Grundstücks ist die Lage der Terrasse dicht an der Straße. Das ist bereits vom Architekten nur ungenügend durchdacht. Auch wenn die Straße nur eine kurze Sackgasse ist, die nur zwei Häuser bedient, ist das ein öffentlicher Raum, der jedem zugänglich ist. Man fühlt sich einfach nicht wohl, wenn man direkt an der Straße seine Kaffee trinken muß: und noch weniger, wenn man das Gefühl hat, mit seinem Liegestuhl auf dem Bürgersteig zu stehen. Die Terrasse ist zu dicht an der Straße, verstärkt wird diese ungünstige Situation noch durch die erhöhte Position. Man sitzt oder liegt dort wie auf einer Theaterbühne vor großem Publikum.
Abriss nach einem halben Jahr
Daran ist nun nichts mehr zu ändern. Man kann aber versuchen, die Situation zu entschärfen. Und dort muß die Umgestaltung ansetzen.
Die Mauer wurde abgebaut und neu aufgesetzt, und zwar so, daß zwischen Terrasse und Mauer ein ca. 1 m breiter Pflanzstreifen bleibt. Dadurch hat man nicht mehr den Eindruck, direkt am "Abgrund" zu sitzen. Zudem wird der Übergang weicher. Und die Pflanzung bietet natürlich auch einen gewissen Sichtschutz. Den sollte man allerdings nicht allzu sehr übertreiben, da der Terrassenraum sonst ein Gefühl der Enge vermittelt. Es ist auch oft gar nicht so wichtig, daß man wirklich nicht gesehen wird. Entscheidend ist vielmehr der individuelle Eindruck, das Gefühl eines abgeschlossenen Raumes, und nicht die Tatsache eines vor allen Blicken geschützten Platzes.
Abgebaut wurde auch die Treppe, da auch dort wichtige Gestaltungsgrundsätze nicht beachtet wurden. Eine Treppe – oder auch ein Weg – dicht an der Hauswand entlanggeführt, wirkt immer steif. Zudem ist durch den geraden Verlauf immer eine Sichtschneiße von der Hauptverkehrsstraße offen, die nicht kaschiert werden kann. Durch den neuen Verlauf mit zwei Podesten dazwischen wirkt die Treppe viel weniger massiv. Und durch den abgewinkelten Verlauf bietet sich die Gelegenheit, an der Hauswand einen Strauch als Sichtschutz zu pflanzen, der die Terrasse nach unten abschirmt.
Die Bepflanzung mit Stauden statt Rasen tut ein übriges, um das Bild aufzulockern.
Die untere Gartenfläche soll natürlich ebenfalls in die Gestaltung mit eingebunden werden, damit sie nicht nur den einzigen Sinn erfüllt, langweilige Samstagnachmittage durch Rasenmähen aufzulockern. Der bereits vorhandene Sitzplatz wurde mit einem Weg angebunden und durch eine Graniteinfassung zur Straße hin eine harte Abtrennung geschaffen. Wenn die Gehölze, die diesen Sitzplatz umgeben, einmal eingewachsen sind, wird das ein geschützter Platz sein, wo man – von allen Seiten von Grün umgeben – eine völlig andere Atmosphäre genießt wie auf der Terrasse dicht am Haus.